Eine kleine Reise durch den Pferdedarm Teil 1

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Eine kleine Reise durch den Pferdedarm Teil 1

Es ist wieder so weit. Unsere vierbeinigen Freunde dürfen endlich wieder raus! Raus in die Sonne, raus zum Toben und Spielen und natürlich auch raus zum Grasen. Aber genau das kann unseren Pferden und uns, im übertragenen Sinne, oft Bauchschmerzen bzw. Darmverstimmungen mit Folgen wie Kotwasser bereiten. Doch woher kommt das?

Für diese Antwort müssen wir verstehen, wie ein Pferdedarm und die Futteraufnahme funktionieren.

Die Verdauung beginnt ganz oben, mit dem Maul des Pferdes. Hier startet die Futteraufnahme über die Lippen. Wie der ein oder andere schon an seinem Pferd bemerkt hat, können Pferde sehr gut Futterteile sortieren und weniger schmackhafte Futterkomponenten zurücklassen. Dabei benutzen Pferde zum Beispiel beim Grasen nicht nur ihre Lippen, sondern auch ihre Schneidezähne, um sehr kurze Gräser abreißen zu können. Durch den ganz speziellen Aufbau der Backenzähne können die Futterbestandteile zermahlen werden. Die Backenzähne funktionieren wie kleine Reibeisen. Hier wechseln sich feine Lamellen aus hartem Schmelz mit weicherem Zahnbein ab. Dadurch entsteht eine kleine Hügellandschaft, durch die auch sehr harte Bestandteile, wie harte Gräser oder auch Körner, einwandfrei zermahlen werden können. Je nach Struktur und Konsistenz dauert die Futteraufnahme unterschiedlich lange.

Ein durchschnittliches Warmblut benötigt für 1 kg Hafer oder fein pelletiertes Mischfutter circa 10 Minuten, wohingegen es für 1 kg Raufutter zwischen 40 und 50 Minuten zum Fressen benötigt (selbstverständlich können diese Werte von Pferd zu Pferd ganz unterschiedlich ausfallen). Zudem sorgen viele Kauschläge zu einem guten Einspeicheln des Futters. Dies bewirkt eine positive Pufferwirkung im Magen. Ein Pferd benötigt circa 3000 bis 3500 Kauschläge für 1 kg Heu, wohingegen es für eine Kraftfutterration nur 800 bis 1200 Kauschläge braucht. Ein normales Warmblut bildet pro Minute circa 40 bis 90 ml Speichel, was zu einem Tagesvolumen zwischen 5 und 10 l führt. Im Vergleich dazu produzieren wir umgerechnet 1 ml Speichel pro Minute und 1,5 l pro Tag.

Der Speichel ist beim Pferd von wichtiger Bedeutung, denn er enthält größere Mengen an Mineralstoffen und Bikarbonat, die zu einer Neutralisierung der Magensäure im Mageneingang dienen. Zudem wird das Futter durch den Speichel feucht und lässt sich dadurch besser abschlucken.

Wie man anhand der Fressdauer und der Kauschläge deutlich sehen kann, ist eine ausreichende Raufutterversorgung nicht nur für den Organismus an sich von großer Bedeutung, sondern dient auch der Beschäftigung. Daher sollten 1,5 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht des Pferdes unablässlich sein. Eine längere und ausgiebigere Fressdauer bei der Kraftfutteraufnahme kann durch Beimischen von Struktur, wie zum Beispiel Luzernehecksel, erzielt werden. Damit Pferde nicht so sehr schlingen und besser kauen und einspeicheln, haben wir einige Müsli mit einem hohen Strukturanteil konzipiert, wie zum Beispiel das Höveler Original All-In-One, das Western Basic, das Western Sport oder, ganz speziell für die Weidesaison, dass Höveler Original Summer. Auch unser getreide- und melassefreies Müsli Höveler PUR.ITAN hat einen hohen Strukturanteil. Die Höveler Western PUXX sind eine gelungene Kombination aus Raufutter, kombiniert mit Krippenfutter und sorgen durch ihre Beschaffenheit für eine ausgewogene Kauaktivität. Man kann auch selber etwas kreativ werden und zum Beispiel zur täglichen Höveler Prachthaferration circa 200 g Original Luzerne Mix untermischen.

Durch eine verbesserte Kauaktivität entsteht ein verbesserter Abrieb der Zähne. Bei einer ungleichen Abnutzung der Zähne, durch zum Beispiel einer zu geringen Kauaktivität oder einer krankhaften Veränderung der Kaumuskulatur, der Kiefergelenke oder der Zähne kann es zu hakenförmigen Veränderungen an den Zähnen mit zum Teil fatalen Folgen kommen: angefangen bei schmerzenden scharfen Kanten, die das ordentliche Fressen und Zermahlen des Futters beeinträchtigen, bis hin zu schmerzenden Verletzungen an der Zunge und im Maulbereich. Auf Grund der krankhaften Veränderungen kann es zu schwerwiegenden Folgen wie zum Beispiel Schlundverstopfungen und auch Koliken durch die mangelnde Zerkleinerung kommen. Daher ist es immer sehr ratsam dem Pferd ausreichend Raufutter (mindestens 1,5 kg pro 100 kg Körpergewicht des Pferdes) zur Verfügung zu stellen und auch hin und wieder einen Tierarzt in das Maul des Vierbeiners schauen zu lassen, damit es erst gar nicht so weit kommt.