Eine kleine Reise durch den Pferdedarm Teil 2

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Eine kleine Reise durch den Pferdedarm Teil 2

Die Weidesaison hat mit heißen Temperaturen und bestem Sonnenschein begonnen. Unsere vierbeinigen Freunde haben sich an das satte Gras und die frische Luft gewöhnt und bewegen sich stundenlang langsam grasend von einer Ecke zur anderen. Die kontinuierliche Grasaufnahme sorgt für eine stete kleine Füllung des Magens. Im ersten Teil unserer Reihe wurde besprochen, wie das Pferd Futter aufnimmt, im Maul zerkleinert und abschluckt. Der zweite Teil dieser Reihe beschäftigt sich mit dem Magen des Pferdes.

Der Pferdemagen von einem mittelgroßen Pferd ist auf die kontinuierliche Aufnahme von geringen Futtermengen eingestellt und daher, mit um die 15 l Fassungsvermögen, verhältnismäßig klein. Der Übergang von der Speiseröhre (Oesophagus) in den Magen wird als Mageneingang (Kardia) bezeichnet. Dieser Übergang ist von einer starken Muskulatur umgeben, welche je nach Füllungsdruck im Magen reflektorisch kontrahiert. Bei starker Füllung des Magens besteht ein Dauertonus des Muskels, was ein Erbrechen nicht möglich macht. Pferde verbringen in der freien Natur mindestens 14 Stunden am Tag mit der Nahrungsaufnahme, wobei zu beachten ist, dass die Ruhephasen natürlicherweise meist nie länger als 2 Stunden betragen. Somit ist der Magen unter natürlichen Bedingungen nahezu nie völlig entleert und selten überfüllt. Eine rohfaserreiche Fütterung sorgt für eine verlangsamte und kontinuierliche Magenfüllung. Bei gleicher Fütterung, zum Beispiel 2 kg Heu und 2 kg Hafer, ist der Magen bei einer Kraftfutterfütterung zeitweilig stärker gefüllt, da Kraftfutter schneller gefressen wird und die Entleerung zwar kontinuierlich aber langsam stattfindet. Daher ist es sinnvoll die Kraftfutterration, besonders im Sportpferdebereich, auf viele kleine Mahlzeiten zu verteilen und die Geschwindigkeit der Kraftfutteraufnahme durch Zugabe von Struktur zu vermindern. Dies kann dadurch erzielt werden, dass zum Beispiel zu einer reinen Getreidefütterung Höveler Luzerne-Mix untergehoben wird. Höveler Luzerne-Mix wirkt sich nicht nur positiv auf die Kauintensität und das Einspeicheln aus sondern auch auf den gesamten Organismus. Auch Müslisorten mit einem hohen Strukturanteil eignen sich vor allem für Pferde mit einem empfindlichen Magen. Im Höveler-Sortiment lassen sich einige energiereiche Müslis, wie zum Beispiel das Western Sport oder All-In-One und Müslis mit einem moderaten Energiegehalt, wie zum Beispiel, Western Basic oder PUR.ITAN finden.
Die Aufgabe des Magens ist es, die aufgenommene Nahrung für den Darm und dessen Aufgaben vorzubereiten. Der Magen wird beim Pferd in zwei Teile geteilt. Der eine Teil wird von einer drüsenlosen Schleimhaut (Pars nonglandularis) umgeben, wohingegen der andere Teil mit einer drüsenreichen Schleimhaut ausgekleidet wird (Pars glandularis). Die drüsenlose Schleimhaut befindet sich am Mageneingang, wo die Magenfüllung im Blindsack und im Fundus beginnt.

Abbildung 1: Aufbau des Pferdemagens 1 drüsenlose Schleimhaut der Speiseröhre und des Blindsacks, 3 Fundusdrüsenzone, 4 Pylorusdrüsenzone, 4‘gemischte Zone, 5 Duodenum (aus Nickel, Schlummer, Seiferle: Lehrbuch der Anatomie der Haustiere. Bd. 2.9. Aufl. 2004)

Gut eingespeichelte Nahrung wird meist schneller weitergeleitet als schlecht eingespeichelte Nahrung. Im vorderen Bereich des Magens beginnen Bakterien die Nahrung abzubauen. Die Bakterien können in diesem Teil des Magens noch überleben, da hier der pH-Wert höher ist als in der angrenzenden Funduszone. Meist stammen die Bakterien aus der Nahrung selbst. Bei diesem Vorgang werden leicht zugängliche Kohlenhydrate (Zucker und Stärke) und teilweise auch Eiweiße zu Laktat, kurzkettigen Fettsäuren, Gasen und Eiweißspaltprodukte abgebaut. Ein verstärkter mikrobieller Abbau des Futters im vorderen Teil des Magens, welcher aufgrund einer hohen Keimbelastung des Futters, einer zu großen Fütterungsmenge an Kraftfutter oder anderer Faktoren bestehen kann, kann unter anderem die Entstehung von Magengeschwüren begünstigen. Daher ist darauf zu achten, dass die Nahrung gut eingespeichelt wird und ausreichend Heu zur Verfügung steht. Der Speichel hat eine puffernde Wirkung auf den Magen und sorgt so für einen physiologischen pH-Wert. Auch eine regelmäßige Fütterung von HERBA MASH aus unserer Equinova-Reihe kann aufgrund seiner Zusammensetzung magenschonend und puffernd wirken. Die darin enthaltenen Pektine sind in der Lage ab einem pH-Wert von 3 und der vorliegenden Säure sowie Kalziumionen und Zucker ein schützendes Gel zu bilden. Dies kann zu einer Stabilisierung der Schleimschicht sowie einer Erhöhung der Pufferkapazität des Mageninhaltes führen. Zudem besitzen auch pflanzliche Öle eine gewisse puffernde Wirkung. Müslis mit einem Anteil an pflanzlichen Ölen sind zum Beispiel Western Sport, Original Active, Original Relax und noch einige mehr.

Erst durch eine Durchmengung der Nahrung mit Magensaft werden die Bakterien in ihrer Aktivität eingeschränkt. Der Magensaft besteht aus Salzsäure (HCl-) und Enzymen, die beim Abbau von Eiweißen helfen. In diesem Bereich wird der pH-Wert gesenkt. Des Weiteren dient der Magensaft auch zur Verflüssigung des Nahrungsbreis und zur Einleitung von Verdauungsprozessen.
Wenn das Pferd trinkt wird das Wasser auf kürzestem Weg durch den Magen geleitet und gelangt dadurch sehr schnell in den Dünndarm. Bei einer gesteigerten Wasseraufnahme unmittelbar nach dem Fressen kann es sein, dass der noch wenig verdaute Mageninhalt in den Dünndarm gespült wird und dort zu Fehlgärungen führt. Doch auch wenn der Mageninhalt nicht ausreichend mit Magensaft durchtränkt wurde, kann es ebenfalls zu Fehlgärungen kommen. Dies geschieht oft aufgrund einer zu geringen Magensaftsekretion in Folge von zum Beispiel einer übermäßigen physischen oder psychischen Belastung. Dies bedeutet, dass man Pferde direkt nach der Kraftfutterfütterung nicht sportlich fordern sollte. Auch eine zu schnelle Futteraufnahme oder eine zu große Futtermenge sowie stark verkleisternde Futtermittel können zu einer zu geringen Magensaftsekretion und ihren Folgen führen. Um Fehlgärungen und Magenläsionen vorzubeugen ist es ratsam Pferden pro Mahlzeit nicht mehr als 1 g Stärke pro 1 kg Körpergewicht des Pferdes und eine maximale Menge an 0,3 kg Kraftfutter pro 100 kg Körpergewicht zu füttern (VERVUERT 2008, COENEN u. VERVUERT 2004).
Beispiel: Ich habe ein 600 kg schweres Sportpferd welches Höveler EF Pferdemüsli bekommt. Die Futtermenge pro Tag beträgt bei meinem Pferd 2,4 kg Müsli. Dieses Müsli hat einen Stärkegehalt von 480 g pro 1 kg Kraftfutter.

Mein Pferd soll pro Ration nicht mehr als 600 g Stärke bekommen und eine maximale Futtermenge pro Mahlzeit von 1,8 kg.

Dies würde bedeuten, dass ich meine Futterration auf alle Fälle auf zwei Rationen am Tag verteilen sollte. Auch hier wären viele kleine Rationen und ein Untermischen von Höveler Luzerne-Mix ratsam, da ich mein Sportpferd durch Transport, Stallwechsel, Training und Leistung sowohl psychisch als auch physisch belaste und den Magen dadurch unter Stress setze.