Eine kleine Reise durch den Pferdedarm Teil 3

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Eine kleine Reise durch den Pferdedarm Teil 3

Langsam neigt sich der Sommer und somit auch die Weidesaison dem Ende zu. Die Turniere sind fast geschafft und hinter uns liegen ausgedehnte und lange Ausritte. Auch für unsere Pferde heißt es wieder, sich langsam an das Futterangebot anzupassen. Die Wiesen sind nicht mehr so üppig und die meisten unserer Vierbeiner werden wieder zugefüttert. Was bedeutet das für den Pferdedarm? Wo werden die einzelnen Futterkomponenten aufgenommen? In Teil 1 und 2 hatten wir uns eingehend mit dem Kopfbereich und dem Magen des Pferdes beschäftigt. In diesem Teil unserer Serie befassen wir uns mit dem Darm.

Der Pferdedarm ist ein sehr komplexes Organ und kann grob in zwei Abschnitte unterteilt werden. Der erste Abschnitt, der Dünndarm, beginnt direkt hinter dem Magen mit den Bereichen Zwölffingerdarm (Duodenum), Leerdarm (Jejunum) und Hüftdarm (Ileum).


Abbildung (aus: Wissendorf et al. 2002): Schematische Darstellung des Magen-Darm Traktes vom Pferd. a) Magen b) Zwölffingerdarm c) Leerdarm d) Hüftdarm e) Blinddarm f-n) Dickdarm

Der Dünndarm eines ausgewachsenen Pferdes ist ca. 20 Meter lang. Für diese Strecke benötigt der Futterbrei je nach Zusammensetzung ca. 1,5 Stunden. Es ist von großer Bedeutung, dass das Futter vorher gut zerkleinert und eingespeichelt wurde. Hierfür eignen sich Müslis mit Strukturanteil wie zum Beispiel Original Höveler All In One oder Western Basic. Auch variiert der Magen-/Darm-Inhalt erheblich in Abhängigkeit der Futterart. Bei einer Heufütterung kann sich aufgrund der hohen Wasserbindungskapazität der Magen-/Darminhalt auf ein vielfaches vergrößern.

Im Dünndarm werden die meisten aus dem Futter kommenden Nährstoffe in ihre Einzelkomponenten zerlegt und aufgenommen. Dabei können ausgewachsene Pferde Fette sehr gut aus dem Futter aufnehmen und in Energie umwandeln. Um den Getreideanteil zu reduzieren oder dem Pferd bei erhöhter Leistung mehr Energie zur Verfügung zu stellen, kann die Ration mit hochwertigen Pflanzenölen angereichert werden. Hierfür eignen sich das X-Oil-Energy von equinova® oder Müslis mit Ölsaatenkuchen und Ölen, wie zum Beispiel das Original Höveler Active oder das Western Sport sehr gut. Allerdings sollte immer die Fütterungsempfehlung beachtet werden, denn überhöhte Fettgehalte können die Darmaktivität sowie die Darmbakterien bei ihrer Arbeit hemmen. Fette werden von dem Enzym Lipase, das in der Gallensäure vorkommt, in Fettsäuren und Monoglyzeride gespalten und aufgenommen. Die Gallensäure wird direkt von der Leber zur Verfügung gestellt und kontinuierlich in den Dünndarm abgegeben, da das Pferd interessanterweise nicht über eine Gallenblase verfügt. Die in der Galle enthaltenen Mineralstoffe und Bikarbonate tragen auch zur Neutralisierung des sauren Mageninhaltes bei.

Der Hauptbestandteil der meisten Rationen in der Pferdefütterung ist Stärke, die überwiegend in Getreide enthalten ist. Die Stärkepartikel werden von dem Enzym Amylase aufgespalten. Dabei lässt sich die Stärke im Hafer sehr gut und die Stärke in Mais sehr schlecht aufspalten. Die Zusammensetzung der Stärkepartikel spielt hier eine große Rolle. Wenn Mais gefüttert werden soll, dann sollte dieser thermisch und mechanisch aufgeschlossen sein. Müslis mit einem sehr hohen thermisch behandelten Anteil an Getreide sind zum Beispiel Höveler Original Vollkorn-D-Mix, Original Active oder Original Summer.

Alle Bestandteile, die im Dünndarm nicht aufgeschlossen werden konnten, werden weiter in den Dickdarm transportiert und dort von Bakterien aufgeschlossen. Dies kann allerdings im Falle von Stärke und Zucker zu Fehlgärungen und auch zu Koliken führen. Zudem kann eine sehr stärkereiche Ration pro Mahlzeit den pH-Wert im Dünndarm stark absinken lassen. Dabei kann es zu Störungen in der Peristaltik (Darmbewegung) und auch zu Schleimhautreizungen kommen. Außerdem wird der optimale Wirkungsbereich für die körpereigenen Enzyme unterschritten. Eine Überschreitung von einer maximalen Aufnahme an Mischfutter von 0,25 kg pro 100 kg Körpergewicht pro Mahlzeit ist aus gesundheitlichen Gründen nicht zu empfehlen.

Ein weiterer Energielieferant ist Zucker. Im Dünndarm werden Einfachzucker unmittelbar in den Körper aufgenommen. Rohrzucker wird durch das Enzym Saccharase in die Einfachzucker Glukose und Fruktose gespalten und ebenfalls unmittelbar aufgenommen. Fohlen haben bis zum ca. 7 Lebensmonat das Enzym Saccharase noch nicht vollständig ausgebildet. Dafür können sie aber Laktose über das Enzym Laktase spalten. Daher eigenen sich für Fohlen speziell abgestimmte Müslis während und kurz nach der Laktation wie das Höveler Original FohlenMüsli und Original terabb-FS 16. Adulte Pferde können nahezu keine Laktose mehr abbauen, da ihnen das Enzym Saccharase fehlt. Laktose wird bei adulten Pferden im Dickdarm von Bakterien verstoffwechselt und kann bei übermäßiger Gabe zu Fehlgärungen führen. In manchen Fällen wirkt Laktose wie ein Prebiotikum und kann die mikrobielle Aktivität im Dickdarm stimulieren. Die Fütterung von laktosereichen Futtermitteln sollte immer in Absprache mit einem Fachmann durchgeführt werden.

Im Dünndarm werden auch Proteine (Eiweiße) mit Hilfe des Enzyms Peptidase zu Tri- und Dipeptiden und schließlich zu Aminosäuren aufgespalten. Wichtige essentielle Aminosäuren können vom Körper nicht selber hergestellt werden und müssen daher über die Nahrung aufgenommen werden. Lieferanten essentieller Aminosäuren sind zum Beispiel Luzerne und Soja. Daher ist eine Fütterung mit PUR.LUZERNE oder dem Western Sport eine sinnvolle Ergänzung bei Pferden im Muskelaufbau.

Im zweiten Abschnitt des Darms, dem Dickdarm, werden Bestandteile wie Zellulose, Hemizellulose und Pektine durch Bakterien aufgeschlossen. Dabei entstehen kurzkettige Fettsäuren, die dann vom Körper als Energie genutzt werden können. Die Verdaulichkeit hängt auch hier von einer guten Fütterungspraxis ab. Bei einem hohen Stärkeanteil in der Ration wird das Zäkum, auch Blinddarm genannt, angesäuert und ändert über die Zeit die Zusammensetzung der Dickdarmflora. Futterunverträglichkeiten können die Folge sein. Das Zäkum wird als Gärkammer bezeichnet. Hier zersetzen neben Protozoen auch Bakterien die Gerüstsubstanz der Pflanzen in Nährstoffe um. Dabei spielen für einen guten Abbau sowohl die Kombination aus leicht- und schwerverdaulichen Kohlenhydraten sowie die Pufferkapazität und auch die kontinuierliche Zufuhr des Futterbreis in das Zäkum eine Rolle. Ein ausreichendes Angebot an Stickstoff und Mineralstoffen ist auch für die Bakterien im Darm wichtig. Dabei bilden die Mikroorganismen Fettsäuren, Eiweiße und wasserlösliche Vitamine, die sie dem Pferd in einem gewissen Umfang zur Nutzung zur Verfügung stellen.

Der Dickdarm spielt nicht nur eine wichtige Rolle bei der Verstoffwechselung von Pflanzenteilen sondern entzieht dem Futterbrei Wasser und Elektrolyte und dickt diesen ein, bevor er das Pferd für immer verlässt.