Heu - Fluch und Segen der modernen Pferdehaltung/Fütterung

Gut zu Wissen

Heu - Fluch und Segen der modernen Pferdehaltung/Fütterung Teil 1

Das Thema „Heu“ ist in aller Munde. Die Frage nach der richtigen Menge, dem Zucker-, Fructan- sowie Energie- und Proteingehalt spielen dabei eine immer größer werdende Rolle. Auch Spurenelemente wie Zink und Selen sind dabei immer ein Thema. In Pferdehaltenden Betrieben kommt das Thema Heu immer häufiger auf den Tisch. Wird zu wenig gefüttert? Eventuell auch zu viel? Oft wird auch die Qualität in Frage gestellt. Fest steht, dass Heu die Basis für jede gute Pferdefütterung darstellt. Dabei sollte mindestes 1,5 kg Heu je 100 kg Körpergewicht des Pferdes gefüttert werden, um die Gesundheit des Pferdes nicht zu gefährden.

Diese Serie soll ein wenig Licht ins Grüne des Heus bringen.

Was ist eigentlich Heu?

Als Heu wird im Allgemeinen getrocknetes Grünfutter, bestehend aus Gräsern, Kräutern und auch das Kraut von Hülsenfrüchten (z. B. Luzerne) bezeichnet. Der Trockengehalt für Heu liegt bei mindestens 86 %. Für den Trockenvorgang wird zwischen unterschiedlichen Verfahren unterschieden.

Bodentrocknung

Das bekannteste Verfahren ist die Bodentrocknung. Bei dieser Variante der Heutrocknung wird das Gras geschnitten und auf dem Boden zum Trocknen liegen gelassen. Der Landwirt wendet täglich meist mehrmals das Schnittgut und zettet es am Abend in Schwaden zusammen, damit das Schnittgut über Nacht nicht vollständig durchfeuchtet wird und am nächsten Tag besser weitertrocknen kann. Bei diesem Verfahren können Qualitätsverluste entstehen, wenn das Heu zum Beispiel länger als gewünscht liegen bleiben muss. Ein Grund dafür sind schlechte Wetterbedingungen. Bei Regen werden teilweise Vitamine und auch Spurenelemente aus dem Heu ausgewaschen. Auch eine starke Sonneneinstrahlung schmälert den Vitamingehalt. Zudem können sich bei längerer Zeit auf der Wiese verschiedene Pilzsporen und Bakterien in dem Heu niederlassen und dort zur Bildung von toxischen Substanzen verantwortlich sein. Diese Substanzen können beim Pferd zu Kotwasser und Unverträglichkeiten, wie Allergien oder Husten, führen. Daher ist immer auf eine gute Qualität des Heus zu achten.

Reutertrocknung

Eine weitere Variante ist die Reutertrocknung. Bei dieser Art von Trocknung wird das Schnittgut auf eine Art Gerüst aufgebracht, um das Gras besser trocknen zu lassen. Diese Variante ist sehr aufwändig und wird daher kaum noch praktiziert. Da bei dieser Variante das Heu nicht direkt auf dem Boden aufliegt, kann dieses besser atmen und das Heu schneller trocknen. Diese Variante wird häufig in regenreichen Gegenden verwendet.

Unterdachtrocknung

Eine moderne Art der Heutrocknung ist die Unterdachtrocknung. Hier wird relativ frisch geschnittenes Gras in eine Trocknungsanlage überführt und kontrolliert erhitzt und getrocknet. Dieses Verfahren hat von allen Konservierungsverfahren die geringsten Qualitätsverluste, ist aber auch die teuerste Variante.

Qualität

Heu sollte immer frisch und grün aussehen, angenehm und auch aromatisch riechen, sich griffig und angenehm anfühlen und keine Verunreinigungen durch Steine, Mist oder Giftpflanzen aufweisen. Ein gutes Heu sollte einen Rohfasergehalt zwischen 20 % und 28 % aufweisen. Zu weiches und blattreiches Heu (Grummet oder Almheu) kann zu Schwierigkeiten bei der Lagerung führen und eignet sich ernährungsphysiologisch nicht optimal für Pferde. Sind in dem Heu dunkle und muffige Stellen aufzufinden, staubt es sehr und weist deutliche Verunreinigungen auf, so sollte das Heu nicht mehr verfüttert werden.

Schnittzeitpunkt

Ein weiterer wichtiger Punkt zum Thema Heu ist der Schnittzeitpunkt. Die Zeitpunkte werden nach Vegetationsstadium charakterisiert:

  • im Ähren- und Rispenschieben (relativ junges Gras)
  • vor der Blüte (noch sehr grünes Gras, wo die Dolden und Blüten schon gut zu sehen sind)
  • in der Blüte
  • und am Ende der Blüte (das Gras wirkt nicht mehr sehr grün und ist schon etwas trocken)

Die für Pferde bevorzugte Erntezeit liegt in der frühen Gräserblüte. Für Zuchtstuten und Sportpferde wird ein energiereicheres Heu bevorzugt, daher empfiehlt sich hier, ein Heu während des Ähre- und Rispenschiebens zu wählen und idealerweise mit einem späten Schnitt zu mischen.

Meist jedoch hat man keinen Einfluss auf das Heu, denn es wird gekauft, was gut zu beschaffen ist. Daher eignet sich bei einem überständigen Heu, einen qualitativ hochwertigen Heuersatz zusätzlich zu füttern. Der Markt bietet viele Alternativen und Möglichkeiten, die Heuqualität zu optimieren. Heucobs, wie unsere Original Höveler Heu Cobs oder unsere Original SENIOR-Cobs, aber auch Luzerne Cobs wie unsere PUR.LUZERNE sind einige Beispiele.

Idealerweise werden Heu Cobs eingeweicht verfüttert, um einer Schlundverstopfung vorzubeugen. Auch ist eine Versorgung mit essentiellen Aminosäuren wichtig, die bei überständigem Heu nicht ausreichend zur Verfügung steht. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse weisen eine deutliche Unterversorgung von Methionin, Lysin und Threonin auf. Gerade für leistungsbetonte Pferde sind genau diese Aminosäuren unabdingbar für den Muskelaufbau oder auch für die Milchproduktion und Fohlenentwicklung. Dabei spielt Methionin eine wichtige Rolle bei der Bildung von Keratin (wichtiges Protein zur Bildung von Hornsubstanz in Form von Hufhorn, Fell und Haaren) und Hormonen. Auch spielt es eine Rolle bei der Wundheilung und bei Muskelverletzungen. Threonin ist ein wichtiges Protein für die Bildung von Kollagen (wichtig für Sehnen und Bänder) und für die Schleimbildung (wichtig im Verdauungsapparat).

Eine Ergänzung mit Luzerneheu (Western Alfalfa) oder PUR.LUZERNE ist auch hier ratsam, denn Luzerne verfügt über viele essentielle Aminosäuren. Zudem können vitaminierte und mineralisierte sowie mit Aminosäuren angereicherte Müslimischungen unterstützend wirken. Im Sportpferdebereich oder auch für den Muskelaufbau im Allgemeinen eignet sich PUR.SPORT sehr gut. Aber auch Original Active oder Western Sport sind ein idealer Begleiter. Möchte man nicht auf eine Müslimischung zurückgreifen, kann man die Getreideration mit Sojaschrot anreichern.

Damit Schwankungen auf Grund der unterschiedlichen Heuqualitäten ausgeglichen werden können, sollte immer ein qualitativ hochwertiges Mineralfutter gefüttert werden. Unser Reformin plus eignet sich ideal bei einer reinen Heu- und Haferfütterung. 15 g Reformin plus pro 100 kg Körpergewicht des Pferdes sollten täglich zur Fütterung ergänzt werden. Bei Jungtieren im Muskelaufbau, Sportpferden oder Pferden mit gesundheitlichen Problemen ist unser Vitalysan von equinova® die richtige Wahl. Hier liegen alle Spurenelemente sowohl in organischer als auch anorganischer Form vor. Doch was bedeutet eigentlich organisch bzw. anorganisch gebunden?

Organisch vs anorgansich:

Im ersten Moment könnte man denken, dass organisch für eine natürliche Form und anorganisch für eine künstliche oder synthetische Form steht. Dieser Gedanke ist allerdings nicht ganz richtig. In der Natur kommen beide Formen vor. Hier spielt der Bindungspartner des Spurenelements eine große Rolle. In unserem Fall nehmen wir Zink als Beispiel. Je nachdem, an welchem Bindungspartner Zink gebunden ist, spricht man von organisch gebundenem oder anorganisch gebundenem Zink. Zink zum Beispiel liegt äußerst selten in Reinform vor (Zn), da Zink ein sehr reaktionsfreudiges Spurenelement ist. Das bedeutet, dass sich Zink gerne an andere Partner bindet. Um unterscheiden zu können, in welcher Form ein Spurenelement vorliegt, gilt folgende Formel:

Enthält die Verbindung keinen Kohlenstoff (also kein C Atom), so spricht man von anorganisch gebundenen Mineralstoffen. Enthält die Verbindung Kohlenstoff, so spricht man von organisch gebundenen Mineralstoffen. In der Natur kommen alle Varianten vor.

Merke:

  • Anorganisch gebundene Mineralstoffe sind Mineralstoffe, welche an anorganischen Ionen wie Oxide oder Sulfate gebunden sind und kein C-Atom aufweisen, wohingegen
  • organisch gebundene Mineralstoffe an organischen Molekülen, wie zum Beispiel Aminosäuren oder  Hefen, gebunden sind. Diese Form erkennt man häufig auf Grund der Endung -Chelat.

Am Beispiel Zink gibt es mehrere organische Formen, wie das Glycin-Zinkchelat-Hydrat und mehrere anorganische Formen, wie zum Beispiel das Zinkoxid.

Man kann folglich an den Endungen der Inhaltsstoffe erkennen, welche Verbindungen in dem jeweiligen Produkt enthalten sind. Welche der beiden Formen tatsächlich besser und verfügbarer für das Pferd sind, ist bis jetzt noch nicht richtig geklärt worden. Selbst Forscher können nicht verallgemeinern, welche Verbindung die bessere für Pferde ist. Es gibt noch keine Studien, die eine eindeutige Schlussfolgerung zulassen.

Bei Zink zum Beispiel weiß man von anderen Tierarten, dass die Bioverfügbarkeit für Chelate zwischen 80 – 95 % und für Oxide und Sulfate zwischen 10 – 65 % liegen. Doch richtig aussagekräftig ist diese Erkenntnis im Gesamtbild nicht, denn viele weitere Einflussfaktoren tragen zur Bioverfügbarkeit von Spurenelementen bei.

Daher ist die Höhe der sogenannten Bioverfügbarkeit nicht nur von der Bindungsform abhängig, sondern auch von der Beschaffenheit des Pferdes selbst. Faktoren wie das Alter, der Gesundheitszustand oder die zusätzliche Aufnahme von Medikamenten können die Bioverfügbarkeit von Mengen- und Spurenelementen beeinflussen. Auch Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Futterinhaltsstoffen wie zum Beispiel Spurenelementen, Aminosäuren und Mengenelementen, wie Calcium und Phosphat, spielen eine Rolle bei der Aufnahme und können diese verringern. Aus Untersuchungen an anderen Tieren lässt sich folgern, dass organische Verbindungen wie Chelate im Einzelfall auch bei Pferden Vorteile haben können. In vielen Fällen ist aber die Versorgung schon über anorganische Quellen völlig ausreichend.

Um den Organismus nicht völlig zu überfordern sollte man pro Mahlzeit ein Produkt füttern. Die meisten Mineralfutter sind gut aufeinander abgestimmt. Möchte man zur Unterstützung ein Präparat mit Magnesium zusätzlich füttern, sollte man dies am besten getrennt von der Mineralfuttergabe machen.

Im zweiten Teil werden wir näher auf die Thematik eingehen, warum Heu so wichtig für unsere Pferde ist und was genau die Unterschiede zwischen Silage und Heulage sind.